Mittwoch, 19. Juli 2023

[ #Vorarlberg ] Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in Vorarlberg


Zum ersten Mal wurde der Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus im Vorarlberger Landtag erst bei einer Festsitzung am 5. Mai 2010 (!) feierlich begangen. Bei der Festsitzung wurde der Film von Toni Bechter "Schreie ohne Namen" über die Euthanasie-Opfer im Bregenzerwald gezeigt.

Dass der NS-Staat nicht nur das Land Vorarlberg bis zu seinem eigenen Untergang aufgelöst hatte und dass beileibe nicht alle Vorarlberger ihm huldigten, belegt ein von der Johann-August-Malin-Gesellschaft zusammengestelltes Lexikon. Es umfasst mehr als 1.000 Namen: Namen von Vorarlbergerinnen und Vorarlbergern, die gegen den Totalitätsanspruch des NS-Regimes auftraten und von denen viele dafür büßen mussten, indem sie in Haft genommen, von NS-Gerichten verurteilt, in so genannte Arbeitserziehungslager oder Konzentrationslager deportiert wurden, im schlimmsten Fall ihr Leben verloren.

Doch die weitaus größere Zahl gaben freilich jene ab, die sich duckten, die wegsahen, die auf die eine oder andere Weise mittaten. Und nicht wenige Vorarlberger taten sich dabei auch politisch hervor.

Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus. Am 11. November 1997 beschloss der österreichische Nationalrat einstimmig, den 5. Mai, den Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen, fortan jährlich als nationalen "Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus" zu begehen. Das Problem: Der dritte nationale Feiertag – neben dem 1. Mai und dem 26. Oktober – ist im kollektiven Bewusstsein nicht verankert, er ist völlig unbekannt. Und auch bei der Umsetzung hapert es bis heute. 2010 hielt der Vorarlberger Landtag zum ersten Mal am 5. Mai eine feierliche Sitzung ab,  Eigentlich nicht nur recht spät sondern durchaus auch in einer Respektlosigkeit gegenüber den Opfern wollte man sichtlich lange Jahre die überlebenden Nationalsozialisten nicht verletzen und ihre Stimmen gefährden.

Vortrag. Der Vortrag von Dr. Alois Niederstätter auf Einladung des Vorarlberger Landtags anlässlich einer Gedenkveranstaltung gegen Gewalt und Rassismus in Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus am 5. Mai 2010 in Bregenz (Landhaus) steht als Ausgabe Nr. 72 der Reihe Verba volant des Vorarlberger Landesarchivs online.

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[ #Vorarlberg ] Rote Listen Vorarlbergs: Brutvögel

Gefiederte Gäste am Futterhäuschen sind selbstverständlich. Und dennoch ist diese Vielfalt gefährdet.

Beinahe zwei Drittel der in Vorarlberg brütenden Vogelarten wurden in die "Rote Liste" der Brutvögel Vorarlbergs aufgenommen. Das Autorenteam um Rita Kilzer, Georg Amann und Gerold Kilzer musste insgesamt 108 Vogelarten als gefährdet oder ausgestorben einstufen. Nachdenklich stimmt vor allem der Vergleich mit der Bestandsaufnahme von 1993. Die Zahl der nicht gefährdeten Vogelarten ist von 88 auf 71 gesunken.

Im Gegensatz zu vielen anderen Tiergruppen ist die Vogelwelt unseres Landes gut dokumentiert. Unermüdlich beobachten die Hobbyforscher von BirdLife Vorarlberg die Verbreitung der einzelnen Arten. Gemeinsam mit historischen Daten wurde so ein computergestütztes Archiv geschaffen, das langfristige Veränderungen in der Avifauna erkennbar macht. Und nicht nur das: Vögel sind gute Indikatoren für die Veränderungen in der Landschaft. Indirekt wird in der Roten Liste der Brutvögel auch die Situation ihres Lebensraumes und ihrer Nahrung (z.B. Insekten) erfasst.

Bild und Text. Im vorliegenden Band werden alle gefährdeten Arten detailliert in Bild und Text vorgestellt. Neben einer Beschreibung von Verbreitung und Bestand wird der Lebensraum der Tiere näher beleuchtet. Die Diskussion der Gefährdungsursachen leitet über Vorschlägen für Maßnahmen, die beitragen können, die Situation nicht nur der betreffenden Vogelart zu verbessern. Die "Rote Liste" wird damit zu einer zentralen Grundlage für fachlich fundierte Diskussionen und politische Entscheidungsfindungen.


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Lohnt sich ein Download? Ein schneller Blick auf den Inhalt:

  • Abstract 7
  • Zusammenfassung 8
  • 1. Einleitung 9
  • 2. Material und Methode 11
  • 2.1 Datenerhebungen, Datenbestand und Quellen, Untersuchungszeitrauin 11
  • 2.2 Methode 13
  • 2.3 Verwendete Abkürzungen, Begriffe 15
  • 2.4 Kategorien und Kriterien der neuen Roten Liste 17
  • 2.5 Dank 18
  • 3. Ergebnisse 21
  • 3.1 Gefährdete und nicht gefährdete Brutvogelarten 21
  • 3.2 Vergleich der neuen Roten Liste von 2002 mit der alten Roten Liste von 1993 22
  • 3.3 Einteilung der gefährdeten Vogelarten nach dem Brutstatus 24
  • 3.4 Artenbilanz nach Gefährdungskategorien 25
  • 3.5 Artenliste 28
  • 3.6 Arttexte (Dokumentationen) 35
  • 3.6.1 Ausgestorbene oder verschollene Arten 36
  • 3.6.2 Arten der Gefährdungskategorien 1 - 5 44
  • 3.6.3 Gefährdete Brutgäste 200
  • 4. Zur Bestandssituation der gefährdeten Arten 217
  • 4.1 Verantwortung Vorarlbergs zur Erhaltung von Arten 217
  • 4.2 Verantwortung Vorarlbergs zur Erhaltung von Arten aus nationaler Sicht 217
  • 4.3 Verantwortung Vorarlbergs zur Erhaltung von Arten aus europäischer Sicht 219
  • 4.4 Bedeutung der verschiedenen Regionen Vorarlbergs nach der Zahl der gefährdeten Arten 220
  • 5. Gefährdung und Schutz 221
  • 5.1 Gesetzliche Grundlagen 221
  • 5.2 Schutzgebietsnetz Vorarlberg 222
  • 5.3 Vogelschutzsituation 223
  • 5.4 Gebietsempfehlungen für Natura 2000-Gebiete zur Sicherung ausreichend großer Lebensräume für gefährdete Brutvögel 224
  • 5.5 Weitere Forderungen 226
  • 5.6 Gefährdungssituation und Schutzmaßnahmen in verschiedenen Lebensräumen 227
  • 5.6.1 Alpin- und Felslandschaften 227
  • 5.6.2 Gewässer 229
  • 5.6.3 Feuchtgebiete 232
  • 5.6.4 Offenes und halboffenes Kulturland 234
  • 5.6.5 Siedlungsgebiete 236
  • 5.6.6 Wald 237
  • 6. Literatur 240
  • Index der deutschen Vogelnamen (alphabetisch) 253
  • Index der wissenschaftlichen Vogelnamen (alphabetisch) 254

Donnerstag, 6. Juli 2023

[ #Feldkirch ] Ein Tod bei Feldkirch: Hilde Monte-Olday

Auf dem Rückweg in die Schweiz läuft Hilde Monte (Meisel) einem Grenzpolizisten in die Hände, der nach einem Fluchtversuch auf sie schießt. 

An den Folgen des Schusses in den Oberschenkel verblutet sie noch am Ort, in der Nähe von Feldkirch, an der Grenze zu Liechtenstein. Erst zwei Jahre später wurde die Identität der Toten geklärt - und damit das Ende eines Lebens, das so mutig und zielstrebig wie wenig andere geführt worden war, zumal im Kampf gegen den Nationalsozialismus. Ihre Grabstätte befindet sich auf dem evangelischen Friedhof in Feldkirch, es ist die einzige Gedenkstätte für Hilde Monte-Olday (31.7.1914 - 17.4.1945).

Malin-Gesellschaft. Die Johann-August-Malin-Gesellschaft widmet sich der Erforschung der Vorarlberger Zeitgeschichte, und hier besonders ihren lange vernachlässigten Themen wie Antisemitismus, Austrofaschismus und Nationalsozialismus. Die Website bietet u.a. das "Lexikon Verfolgung und Widerstand in Vorarlberg 1933-1945" und (inzwischen oft vergriffenen) Buchveröffentlichung der Malin-Gesellschaft, sowie Begleittexte zu sozialgeschichtlichen Ausstellungen oder Beteiligungen an öffentlichen Debatten. Sie bringt sich auch in öffentliche Debatten zu diesen Fragen ein. Diese Publikation (Angelika Rosina Kuntner: Ein Tod bei Feldkirch) und ihre freundliche kostenfreie Onlinestellung ist ein Teil dieser auch sonst beachtenswerten Tätigkeit.


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[ #Hittisau ] Josef Ritter von Bergmann - Das Ambraser Liederbuch (1582)

Das nach seinem Auffindungsort benannte "Ambraser Liederbuch" (1582) enthält die Texte von 262 weltlichen Liedern, meist Liebesliedern, aber auch historischen Liedern und nicht zuletzt von "Innsbruck ich muß dich lassen" (Nr. 188), teils auf ihre "eigne Weis", teils "im Thon" von damals allgemein bekannten Liedern. 

Das Liederbuch entstand im Umkreis des Erzherzogs Ferdinand von Tirol (1529-1595), möglicherweise auch als seine Auftragsarbeit, der es in seiner Bibliothek auch beherbergte.

Das Liederbuch beruht auf einer Urfassung, die 1578 in Frankfurt erschienen war (Frankfurter Liederbuch) und 1584 sowie 1599 nachgedruckt worden war.Viele der Lieder sind als historische Balladen zu charakterisieren, doch viele auch als typische spätmittelalterliche Liebeslieder.


Der aus Hittisau stammende Josef Ritter von Bergmann (er gilt als Begründer einer quellenkritischen und methodisch einwandfreien Vorarlberger Landesgeschichtsschreibung) hatte das Werk 1845 mithilfe des Literarischen Vereines in Stuttgart neu herausgegeben. Von dort weg nahm es seinen Eingang in das Volksliedrepertoire.


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Sonntag, 2. Juli 2023

[ #Nenzing ] Ausgrenzung und Privilegierung als kommunales Ordnungsprinzip am Beispiel des Nenzinger Ortsteiles Mariex in Frastanz


Die Archivale des Monats April 2012 des des Vorarlberger Landesarchivs zeigt einen uns heute merkwürdig erscheinenden Streit der Gemeinden Nenzing und Frastanz. Während man im heutigen Verständnis meinen würde, dass sich die Gemeinden um die Vergrößerung ihres Einflussbereiches bemühten, waren sie offenbar um Kleinheit und Begrenztheit der Bürgerzahl engagiert. 

Agrargemeinschaft. Der Sachverhalt weist eigentlich in die aktuelle heutige Zeit, wo der Widerstreit zwischen Agrargemeinschaften (als die alten Bürgergemeinden) und den Gemeinden weiterlebt. Ursprünglich waren alle Gemeindebewohner stets voll gleichberechtigt. Mit der Zunahme der Dorfbewohner durch Zuwanderung und mit dem Aufkommen neuer Berufsgruppen neben dem traditionellen Bauernstand und den Migrationsbewegungen des 20. Jahrhunderts änderte sich dies erheblich. Der Anteil der sogenannten nutzungsberechtigten Gemeindebewohner nahm ab, der Anteil der rechtelosen  Gemeindebewohner nahm laufend zu. Mittlerweile beginnt sich auch bei der Vererbung zumindest langfristig eine Gleichstellung von Männern und Frauen zu realisieren.

Das Ende der Allmende. Der Anspruch auf Nutzung von Wald und Weide gründet(e) in der Zugehörigkeit aus der Mitgliedschaft (Bürgerrecht)  zu einem bestimmten Gemeinwesens. Mitgliedschaft und Anspruch auf Nutzung basieren also auf dem Bürgerrecht und machen einen Teil der Ansprüche dieses Rechtes aus. Für die tatsächliche Nutzung ergaben sich jeweils besondere Sacherfordernisse, wie die Führung eines eigenen Haushaltes "eigener Herd" oder "eigener Husröchi". Objekt sind in der Regel der im unmittelbaren Gemeindegebiet oder im Nachbargebiet liegende Wald und die Alpen. Die Besiedlung und verschiedene Rechts- und Herrschaftsverhältnisse haben jedoch auch zu einer geographisch weiteren Streuung von agrargemeinschaftlichen Nutzungen der Gemeinden geführt. In Vorarlberg gibt es 55 Agrargemeinschaften mit offener Mitgliederanzahl. Die zweite große und zahlenmäßig überwiegende Gruppe (443) sind Nutzungsverbände, in diesem Falle vorwiegend an Alpen mit zahlenmäßig fixierten Anteilen, die wiederum als Besonderheit in Vorarlberg nicht oder nicht mehr an einen Stammsitz gebunden sind.

Die Abstammung von einem berechtigten "Bürger" läßt diese Agrargemeinschaften als solche mit offener Mitgliederanzahl definieren, da keine fixen Anteile bestehen. In Vorarlberg besteht darüber hinaus gegenüber den übrigen Bundesländern noch die Besonderheit, dass die Mitgliedschafts- und Bezugsrechte an diese Agrargemeinschaft durchwegs persönliche Rechte sind und nicht oder nicht mehr an einen Besitz gebunden sind.

Die Agrargemeinschaftsrechte sind also nicht Realrechte, sondern durchwegs persönliche Rechte. Spuren von Realbindungen finden sich noch im Montafon und im Klostertal, jedoch vorwiegend für objektgebundene Nutzungsansprüche an Bau- und Nutzholz oder Ansprüche für den Katastrophenfall. Die Hausbedarfsbezüge sind jedoch durchwegs persönliche Rechte. Die Agrargemeinschaft Nenzing ist noch heute die flächengrößte Agrargemeinschaft des Landes, hat jedoch nur 680 nutzungsberechtigte Bürger (Männer!) von rund 6000 Einwohnern.

Auf der Website des Landesarchivs wird vom "Hexenforscher" Manfred Tschaikner über diesen Streit berichtet:  
"Als es in den Jahren um 1820 aber darum ging, eine der seltsamsten Grenzen in Vorarlberg, nämlich jene zwischen Frastanz und Nenzing, endgültig festzulegen, bemühten sich die beiden Gemeinden dennoch, Mariex und einen Hof in der nahen Au (Bardella) ihrem Nachbarn zuzuschieben. Gemeinwesen waren damals nicht daran interessiert, ihr Siedlungsgebiet auszuweiten, sondern die Zahl der Nutzungsberechtigten am beschränkten Gemeingut gering zu halten. 
Während der Nenzinger Gemeindevorstand – historisch richtig – die Auffassung vertrat, es gebe in diesem Raum keine einfache Grenzziehung, gelang es der Gemeinde Frastanz, das zuständige Landgericht Sonnenberg davon zu überzeugen, dass sie durch den Mariexbach von Nenzing geschieden werde. So verordnete dieses am 3. Februar 1821, dass fortan alle Anwesen im Talboden östlich des Bachs auf Nenzinger Gemeindegrund lägen. Die Frastanzer hatten sich damit auch der ehemaligen Lehenshöfe der Feldkircher Johanniter als althergebrachten Mitnutzern ihres Gemeinguts entledigt und sie der Nachbargemeinde aufgebürdet, wogegen sich diese zwar heftig, aber vergeblich zur Wehr gesetzt hatte."

 

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[ #Hohenems ] SALOMON SULZER im Biographischen Lexikon des Kaiserthums Österreich



Das von Constantin von Wurzbach in den Jahren 1856 bis 1891 zusammengestellte Biographische Lexikon des Kaiserthums Oesterreich enthält in sechzig Bänden biographische Informationen zu 24.254 Personen, die mit der Geschichte der Habsburgermonarchie in Zusammenhang stehen und ist digitalisiert im Web.

Constantin Wurzbach. Lexikograf und Schriftsteller. Seit 1854: Constantin Wurzbach Edler von Tannenberg; seit 1874: Constantin Wurzbach Ritter von Tannenberg; (geb. Laibach, Krain, heute Ljubljana, Slowenien, am 11. April 1818; gest. Berchtesgaden, Bayern, am 17. August 1893)

Der Sohn eines Advokaten, publizierte bereits als Gymnasiast in Laibach in verschiedenen Zeitschriften. Er studierte 1835 bis 1837 Rechtswissenschaft an der Universität Graz (Steiermark), wo er auch gute Kontakte zu den dortigen Schriftstellern unterhielt. 1837 bis 1843 war er beim Militär – zuletzt im Rang eines Unterleutnants der Infanterie – in Krakau (seit 1838 Galizien; Kraków, Polen) und seit 1841 in Lemberg (Galizien; L’viv / Львів, Ukraine). Daneben studierte er seit 1841 Philosophie an der Universität Lemberg, wo er 1843 zum Doktor der Philosophie (Dr. phil.) promoviert wurde. 1843 trat er vom Armee- in den Zivildienst über und wurde Skriptor (wissenschaftlicher Beamter) an der Universitätsbibliothek in Lemberg. 1847 bis 1848 war er Redakteur der »Gazeta Lwówska« (Lwów [L’viv / Львів]; Lemberger Zeitung) und Vertrauter des Gouverneurs von Galizien Franz Grafen Stadion (1806–1853).

1848 übersiedelte Wurzbach nach Wien, wo er Bibliothekar an der kaiserlichen Hofbibliothek wurde, blieb aber weiterhin de facto für Franz Grafen Stadion tätig, der mittlerweile Innenminister in Wien war. 1849 wurde Wurzbach Bibliothekar (eigentlich Vorstand) der Administrativen Bibliothek des Ministeriums des Innern in Wien, zuletzt im Rang eines k(aiserlich) k(öniglichen) Hof- und Regierungsrats. 1874 wurde er zwecks Vollendung seines sechzigbändigen »Biographischen Lexikons des Kaiserthums Österreich« (1856–1891; enthält 24.254 Biographien) dienstfrei gestellt (1891 pensioniert) und lebte seither in Berchtesgaden (Bayern).

Constantin von Wurzbach, der auch als Lyriker und Prosaist hervortrat, gilt heute als der bedeutendste lexikografische Biograf des Kaisertums Österreich. Am 18. August 1893 starb er in seinem Wohnhaus in Berchtesgaden. Dem Grabstein  wurde jedoch nicht jene Inschrift verpasst, die  Wurzbach in seinem Testament vom 23. März 1887 ausgesprochen hat: Es möge auf seinem Grabstein eine ein Buch zernagende Maus eingemeißelt werden mit der Inschrift:

        Ein Mäuschen ohne alle Stärke
        bezwingt das größte aller Werke.

Biographisches Lexikon des Kaisertums Österreich. Das Werk enthält 24.254 Biographien, davon 21.406 von in den verschiedenen Kronländern des Kaiserstaates Geborenen, 1.129 von in Österreich "denkwürdig"gewordenen Ausländern und 1.719 von im Ausland denkwürdig gewordenen Österreichern. Dazu kommen 347 Stammtafeln.

Welchen Wert hat ein solches Lexikon heute noch über den wenig verdienstvollen, dass es selber Teil der Geschichte geworden ist? Suchen wir einen Vorarlberger im Lexikon und vergleichen die Angaben mit unserem heutigen Wissen. Auch wenn das Werk 24.254 Biographien enthält, dann muss es schon ein ganz "großer" Vorarlberger sein, wenn er sich unter den unbestreitbaren Größen in den verschiedenen Kronländern des Kaiserstaates behaupten muss. Im Band 40 haben wir einen solchen gefunden: Salomon Sulzer

Wurzbachs Verdienste um das Bibliothekswesen: Er entwarf die Instruktion für den Bibliotheksdienst, er ordnete und katalogisierte die durch die Pflichtexemplare rasch anwachsenden Bestände  der kaiserlichen Hofbibliothek , er baute die an Umfang und Vollständigkeit als einzigartig bezeichnete Sammlung von Flugschriften und Plakaten aus 1848/49 aus. Seinem ausgeprägten Hang zum Sammeln und Ordnen kamen auch seine aus der Bibliotheksarbeit erwachsenen bibliographischen Publikationsreihen entgegen: Die für 1853-1855 erschienene "Bibliographisch-statistische Übersicht der Literatur des östreichischen Kaiserstaates" etwa begründete die Literaturstatistik in Österreich; ihre bahnbrechende Bedeutung für Europa wurde auf internationalen statistischen Kongressen anerkannt.


Das Lexikon auch heute noch zu einem unverzichtbaren Hilfsmittel historischer und kulturhistorischer Forschung, als eine Art Steinbruch der Biographik, sei es in den Werks- und Quellenverzeichnissen, sei es in den Mitteilungen von biographischen Fakten und Tatsachen. Auch wenn seine Schwächen nicht übersehen werden sollten (Wurzbach ist auf wenigen Gebieten Fachmann, sicher nicht auf den Gebieten Naturwissenschaft, Technik, Industrie und das Problem seines politischen Standpunkts:  Wurzbach hat alle Habsburger jedoch nur einen einzigen Sozialisten aufgenommen hat, nämlich Milan Subaríc mit der Berufsbezeichnung "sozialistischer Wanderprediger") darf doch bemerkt werden, dass die Leistung dieses Lexikons nach heutigen Vorstellungen für einen Einzelnen eine geradezu unvorstellbare Leistung ist.
       
Wie er das zustande gebracht hat, sagt er selbst: "Ordnung war das Hauptgeheimnis meiner Arbeit. Was ich las, notierte ich und brachte es in alphabetische Ordnung ... Dabei war ich nie müßig, ich schlief wenig. Morgens um 7 Uhr war ich bei der Arbeit und arbeitete in der Regel bis 2 Uhr; dann nahm ich ein Mittagmahl und trank nie Wein, machte nie ein Mittagsschläfchen; mir tat es um die Zeit leid, lebte überhaupt sehr mäßig. Abends um 9 Uhr bis halb 12 Uhr bereitete ich mich für die Arbeit des nächsten Morgens vor, so daß ich ganz vorbereitet zum Arbeitspult kam und mich bald mit den Quellen, die oft freilich einen, auch zwei und drei große Tische bedeckten, zurechtfand."


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Montag, 26. Juni 2023

[ #Bregenzerwald ] Naturpark Nagelfluhkette


Der Naturpark Nagelfluhkette vereint alte Einheiten: Die Gemeinden aus dem südlichen Allgäu und dem vorderen Bregenzerwald.

Der Naturpark ist der erste grenzüberschreitende Naturpark zwischen Bayern und Österreich. Acht Gemeinden auf österreichischer Seite steuern jeweils ihre gesamte Fläche zum Naturpark bei: Hittisau (46,7 km²), Sibratsgfäll (29,3 km²), Sulzberg (23,1 km²), Riefensberg (14,9 km²), Doren (14,2 km²), Langenegg (10,5 km²), Krumbach (8,7 km²) und Lingenau (6,9 km²).

Nagelfluh. Die beteiligten Gemeinden sind um die den allseits bekannten Gebirgszug der Nagelfluhkette angeordnet. Er besteht nahezu vollständig aus unzähligen, unterschiedlich großen, aber immer mehr oder weniger runden Steinen, die zu einem Konglomerat, dem sogenannten Nagelfluh, zusammengepresst wurden. Höchster Punkt ist der Hochgrat, der mit 1.834m die umliegenden Täler um über 1.000m überragt.

Flora und Fauna. Der Naturpark ist die Heimat vieler seltener Tiere, z.B. für Auer- und Birkhuhn, oder für Steinadler und Weißrückenspecht. Pflanzenkenner können sich an Purpur-Enzian, Stein-Nelke oder an der stattlichen Weißtanne erfreuen.

Geologie. Das Nagelfluhgestein ist Teil der Molasse, einer von drei, räumlich voneinander getrennten, geologischen Einheiten, aus denen die Berge des Gebiets aufgebaut sind. Südlich der Molasse schließen sich die Flyschzone und die Kalkberge des Helvetikums an.  Am Hohem Ifen bestimmen große senkrechte Steilwände aus kreidezeitlichem Kalkstein die Szenerie. Sie gehören der geologischen Einheit „Helvetikum“ an, die nur etwa 8 Prozent der Naturparkfläche einnimmt. Das Relief wird durch den Wechsel von Schrattenkalkbänken, die für die Steilwände verantwortlich sind, und schiefrig mergeligen Schichten, den sogenannten Drusbergschichten, bestimmt.

Das Nagelfluhgestein ist Teil der Molasse, einer von drei, räumlich voneinander getrennten, geologischen Einheiten, aus denen die Berge des Gebiets aufgebaut sind. Südlich der Molasse schließen sich die Flyschzone und die Kalkberge des Helvetikums an.
An Besler (1.679 m) und Hohem Ifen bestimmen plötzlich große senkrechte Steilwände aus kreidezeitlichem Kalkstein die Szenerie. Sie gehören der geologischen Einheit „Helvetikum“ an, die nur etwa 8 % der Naturparkfläche einnimmt. Das Relief wird durch den Wechsel von Schrattenkalkbänken, die für die Steilwände verantwortlich sind, und schiefrig mergeligen Schichten, den sogenannten Drusbergschichten, bestimmt.
Während der Schrattenkalk bei der Verwitterung senkrechte Klüfte bildet („Karren“), in denen das Wasser ungehindert abfließt und so zu oberflächiger Trockenheit sowie zur Verkarstung führt, setzen die Drusbergschichten bei der Verwitterung ihre hohen Ton- und Mergelanteile frei und bilden wasserstauende Schichten aus. Diese werden alpwirtschaftlich genutzt. Schrattenkalk und Drusbergschichten sind vor etwa 120 bis 130 Millionen Jahren als Meeresablagerung in einem warmen Flachwasserbereich entstanden. Besonders der Schrattenkalk ist reich an Fossilien.
An Besler (1.679 m) und Hohem Ifen bestimmen plötzlich große senkrechte Steilwände aus kreidezeitlichem Kalkstein die Szenerie. Sie gehören der geologischen Einheit „Helvetikum“ an, die nur etwa 8 % der Naturparkfläche einnimmt. Das Relief wird durch den Wechsel von Schrattenkalkbänken, die für die Steilwände verantwortlich sind, und schiefrig mergeligen Schichten, den sogenannten Drusbergschichten, bestimmt.
Während der Schrattenkalk bei der Verwitterung senkrechte Klüfte bildet („Karren“), in denen das Wasser ungehindert abfließt und so zu oberflächiger Trockenheit sowie zur Verkarstung führt, setzen die Drusbergschichten bei der Verwitterung ihre hohen Ton- und Mergelanteile frei und bilden wasserstauende Schichten aus. Diese werden alpwirtschaftlich genutzt. Schrattenkalk und Drusbergschichten sind vor etwa 120 bis 130 Millionen Jahren als Meeresablagerung in einem warmen Flachwasserbereich entstanden. Besonders der Schrattenkalk ist reich an Fossilien.
An Besler (1.679 m) und Hohem Ifen bestimmen plötzlich große senkrechte Steilwände aus kreidezeitlichem Kalkstein die Szenerie. Sie gehören der geologischen Einheit „Helvetikum“ an, die nur etwa 8 % der Naturparkfläche einnimmt. Das Relief wird durch den Wechsel von Schrattenkalkbänken, die für die Steilwände verantwortlich sind, und schiefrig mergeligen Schichten, den sogenannten Drusbergschichten, bestimmt.
Während der Schrattenkalk bei der Verwitterung senkrechte Klüfte bildet („Karren“), in denen das Wasser ungehindert abfließt und so zu oberflächiger Trockenheit sowie zur Verkarstung führt, setzen die Drusbergschichten bei der Verwitterung ihre hohen Ton- und Mergelanteile frei und bilden wasserstauende Schichten aus. Diese werden alpwirtschaftlich genutzt. Schrattenkalk und Drusbergschichten sind vor etwa 120 bis 130 Millionen Jahren als Meeresablagerung in einem warmen Flachwasserbereich entstanden. Besonders der Schrattenkalk ist reich an Fossilien.
Alpwirtschaft. Die Nagelfluhkette ist eine alte, gewachsene Kulturlandschaft. Die Landwirtschaft stellt mit ca. 400 Haupterwerbsbetrieben einen wesentlichen Bestandteil des Naturparks dar. Das Braunvieh steht wie kein anderes Tier für die nachhaltige Bewirtschaftung der Wiesen und Bergflächen im Naturpark: Die robusten Tiere verbringen den ganzen Sommer auf den Alpen. Allein im Gemeindegebiet Oberstaufens gibt es hiervon 166! Die Alpdichte ist sowohl in Österreich als auch in Deutschland einmalig hoch.

Plenterwirtschaft. Neben der Alpwirtschaft prägt die Forstwirtschaft das Erscheinungsbild des Naturparks – standortgerecht und behutsam. Die Plenterwirtschaft, also das zielgerichtete Schlagen einzelner Bäume, sorgt für nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes – und für ein vielfältiges Waldbild an den Berghängen. Nicht zuletzt erfüllt der Wald im Park eine wichtige Schutzfunktion gegen Lawinen und Geröllabgänge.

Tourismus. Seit nunmehr fast einem Jahrhundert ist der Tourismus neben der Land- und Forstwirtschaft eine der tragenden Säulen der Wirtschaft im Naturparkgebiet. In den 15 Naturpark-Gemeinden stehen nicht weniger als 20.000 Hotel-, Pensions- und Ferienwohnungsbetten bereit – statistisch gesehen haben also zwei Einwohner im Naturpark
jeweils ein Gästebett.


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Donnerstag, 22. Juni 2023

[ #Hohenems ] Der Hohenemser Rabbiner Dr. Aron Tänzer: 1175 Seiten Dokumente der Sammlung Aron (Arnold) Tänzer online


Von dem in Hohenems zwischen 1896 und 1905 tätigen berühmten Rabbiner Dr. Aron Tänzer sind im Internet Archive (San Francisco) 1175 Seiten Dokumente (digitalisierte Microfiches) online!

Besonders interessant seine Studien zum Stammbaum von Albert Einstein (der am 14. März 1879 in Ulm geboren wurde) aus den Jahren von vor 1930!

Aron Tänzer. Ende Februar 1937 - die Nazis waren schon vier Jahre an der Macht, stirbt in Göppingen Aron Tänzer, lange Jahre Rabbiner der Stadt. Lediglich zwei Christen wagen es, an der Bestattung teilzunehmen, wiewohl er für die Volksbildung in seiner "Heimatstadt", wie er sie patriotisch nannte, soviel getan hatte. Die Ausgrenzung der jüdischen Mitbürger wirkt nach jahrelanger Hetze auch über den Tod hinaus. Gerade Tänzer litt schwer unter den Diffamierungen, hatte er doch 1924 aus nationaler Gesinnung seinen Vornamen Aron in Arnold geändert.

Tänzer wird am 20. Januar 1871 in eine alte Pressburger Rabbinerfamilie hineingeboren. In Pressburg besucht er auch die Rabbinatsschule, ehe er von 1892 an in Berlin Geschichte, Germanistik und Semitische Philologie studiert. Nach seiner Promotion im Jahr 1895 an der Universität Bern wird er Rabbiner in Hohenems und in Meran.

Militärdienst. Vom 1. September 1907 an ist er Rabbiner in Göppingen. Dort versteht er sich bis zur Machtübernahme der Nazis als zuhause. Mit der Übernahme dieser Stelle ist obligatorisch die württembergische Staatsangehörigkeit verbunden. Tänzer versteht sich als deutscher Patriot und meldet sich ohne Zögern  bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs als Freiwilliger. Er wirkt  als Feldrabbiner an der Ostfront, ein Einsatz, für den er eine Reihe hoher Auszeichnungen erhält.

Göppingen. Nach Kriegsende kehrt er als Rabbiner auf seine Dienststelle nach Göppingen zurück. Über die Konfessionsgrenzen hinweg engagiert er sich als Lokalhistoriker, Literat und in der Volksbildung seiner "Heimatstadt". Doch die zunehmende Ausgrenzung der Juden ab 1933 desillusioniert den national gesinnten Rabbiner – in seiner selbst entworfenen Grabinschrift kehrt er zum hebräischen Vornamen Aron zurück. Während seinen sechs Kindern die Flucht gelingt, wird seine zweite Frau Berta Tänzer 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo sie im September 1943 umkommt.

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Ein Blick auf den Inhalt - Die Dokumente sind in der Regel in deutscher Sprache: